Angst ohne erkennbaren Grund

Wenn Dein Körper nicht zur Ruhe kommt

Du trägst eine Anspannung in Dir, für die sich kein Auslöser finden lässt. Dein Herz klopft schneller, in Deinem Brustkorb spürst Du Druck und in Dir ist eine Unruhe, ohne dass etwas geschehen ist. Diese Form von Angst belastet besonders, weil Du keinen Grund dafür findest. Sie lässt Dich mit der Frage zurück, ob mit Dir etwas nicht stimmt. Dein Körper verhält sich, als wäre Gefahr im Verzug, während Dein Alltag ruhig weiterläuft.

Woher diese Angst kommt

Was Du erlebst, kommt aus früheren Zeiten, in denen Dein Körper gelernt hat, sich auf Gefahr einzustellen. Heute reagiert er noch genauso, auch wenn in Deinem Leben gerade nichts Bedrohliches passiert. Schwierige Erfahrungen speichern sich in Deinem Unterbewusstsein ab und sitzen in Deinen Zellen, ohne dass Du Dich bewusst daran erinnerst. Dein Körper reagiert noch heute darauf, obwohl die belastende Zeit längst vorbei ist.

Solche Erfahrungen sehen ganz unterschiedlich aus. Vielleicht bist Du bei Eltern groß geworden, die ständig in Sorge und Angst lebten, und hast diese Angst als Kind übernommen, ohne es zu merken. Womöglich war es zuhause nie sicher, in welcher Stimmung Mutter oder Vater gerade sind. Auch eine spätere Beziehung kann solche Spuren hinterlassen, in der Du ständig aufpassen musstest, was Du sagst und tust, um Deinen Partner nicht zu verärgern. In diesen Situationen hat Dein Körper gelernt, wachsam zu bleiben. Diese Anspannung war ein Schutzmechanismus, der Dir damals geholfen hat. Heute läuft er weiter, obwohl die Gefahr vorbei ist.

Eine Klientin, nennen wir sie Anna, kam zu mir, weil sie sich seit Monaten innerlich angespannt fühlte, ohne sagen zu können, warum. Ihr Leben war geordnet, im Beruf gab es keine Probleme, in ihren Beziehungen keinen Streit. Trotzdem war da ständig diese Unruhe. Im Gespräch wurde deutlich, dass Annas Mutter selbst ein sehr ängstlicher Mensch war und in ständiger Sorge gelebt hat. Als Kind hat Anna diese Anspannung Tag für Tag miterlebt und für sich übernommen, lange bevor sie Worte dafür hatte. Heute trägt ihr Körper diese Anspannung weiter, ohne dass in ihrem Leben eine reale Gefahr besteht.

Genau das macht diese Angst so schwer zu verstehen. Dein Kopf sucht nach einem Grund im Hier und Jetzt und findet keinen, während Dein Körper auf etwas reagiert, das viel länger zurückliegt. Diese Lücke zwischen dem, was Du fühlst, und dem, was Du erklären kannst, verstärkt das Gefühl, der Angst hilflos ausgeliefert zu sein.

So zeigt sich die Anspannung

Diese Angst zeigt sich zuerst im Körper, bevor Du sie in Worte fassen kannst. Häufige Anzeichen sind:

  • Herzklopfen ohne erkennbaren Anlass
  • ein Druck- oder Engegefühl im Brustkorb
  • innere Unruhe, die sich nicht beruhigen lässt
  • Verspannungen in Nacken, Schultern oder Rücken
  • Erschöpfung, obwohl Du ausreichend geschlafen hast
  • das Gefühl, ständig auf etwas gefasst sein zu müssen

Diese Beschwerden sind echt und keine Einbildung. Wer das erlebt, war oftmals schon bei verschiedenen Ärzten und hat immer wieder das gleiche gehört, dass körperlich nichts zu finden ist. Das heißt nicht, dass die Beschwerden harmlos sind, sondern dass ihre Wurzeln woanders liegen.

Mit der Zeit kann sich diese Anspannung auf Deinen ganzen Alltag auswirken. Dein Schlaf verschlechtert sich, da Dein Körper auch nachts nicht abschalten kann. Es fällt Dir schwer, Dich zu konzentrieren, weil ein Teil von Dir ständig nach möglichen Gefahren Ausschau hält. Du bist schneller gereizt oder ziehst Dich zurück und kommst kaum noch zur Ruhe.

Der erste Schritt zu mehr Sicherheit

Menschen in Deinem Umfeld meinen es gut, können aber nicht nachvollziehen, was in Dir vorgeht. „Stell Dich nicht so an.“ „Reiß Dich zusammen, das wird schon wieder.“ Solche Sätze setzen voraus, dass Du Deine Angst einfach abstellen kannst, wenn Du nur willst. Das kannst Du nicht. Diese Angst sitzt viel tiefer, an einem Ort in Dir, den Worte allein nicht erreichen. Dein Körper spürt die Gefahr längst, während Dein Verstand noch nach einer Erklärung sucht.

In meiner Praxis in Gschwend begleite ich Menschen mit belastenden Ängsten körperorientiert und traumasensibel. Die Arbeit setzt dort an, wo die Angst sitzt, im Körper und im Nervensystem. Gemeinsam schauen wir auf das, was Deine Angst ausgelöst hat und was für Dich heute wieder möglich werden darf.

Wenn die Anspannung über Wochen bleibt und Deinen Alltag bestimmt, lohnt sich ein Blick darauf, ob hinter Deiner Angst eine Angststörung steckt. Möchtest Du herausfinden, was für Dich machbar ist? Dann nimm gerne Kontakt zu mir auf.