Ein Platz, der plötzlich leer ist

Fast sechs Wochen ist es nun her, dass ich meine Hündin Lotte gehen lassen musste. Jetzt ist für mich die Zeit gekommen, darüber zu schreiben.

Lotte war schwer krank und irgendwann wusste ich, dass es Zeit war, sie gehen zu lassen. Ich bin dankbar, dass ich ihr weiteres Leiden ersparen konnte und diese Entscheidung für sie treffen durfte.

Neun Jahre war Lotte an meiner Seite. Sie war ein fester Teil meines Lebens. Meine Lotti war verspielt und lebhaft, liebte es, draußen zu sein, mit anderen Hunden zu toben und zu rennen und hatte große Freude an der Dummy-Arbeit. Ihre Neugier hat mich immer wieder zum Lachen gebracht. Wenn ich heute an sie denke, muss ich trotz meiner Traurigkeit auch lächeln.

Es sind gerade die kleinen Situationen, die mir fehlen. Wenn ich den Kühlschrank geöffnet habe, stand Lotte schon neben mir, weil sie auf eine Karotte gehofft hat. Karotten hat sie ganz besonders geliebt. Da stand dann mein Mausebär und wartete geduldig darauf, dass auch für sie etwas abfällt. Solche Momente waren so selbstverständlich, dass ich ihnen früher kaum Beachtung geschenkt habe. Heute fehlen sie mir.

Ich kannte Lotte sehr genau. Ich wusste, wie sie auf bestimmte Situationen reagiert, was sie brauchte und wann sie ihre Ruhe haben wollte. Sie hatte ihre ganz eigene Art und ich wusste meistens sofort, was sie mir sagen wollte. In manchen Dingen konnte sie auch ziemlich stur sein. Wenn ich etwas von ihr wollte, wurde erst einmal genau geprüft, ob das jetzt wirklich auch sein musste. „Loddr“ habe ich sie dann genannt, wenn sie wieder ihre eigenen Vorstellungen hatte.

Die Trauer um ein Tier ist nicht für jeden nachvollziehbar. Für mich war Lotte viel mehr als ein Hund, sie war ein Teil meines Lebens und ich vermisse sie sehr.

Trauer braucht Raum. Sie darf da sein, ohne dass wir sie schnell überwinden oder wegschieben müssen. Ich darf über Lotte sprechen und mich an sie erinnern, ohne dabei das Gefühl haben zu müssen, ich müsste inzwischen schon wieder „normal“ funktionieren. Sie besteht nicht nur aus tiefer Traurigkeit, auch das plötzliche Fehlen von etwas, das vorher ganz selbstverständlich war, gehört für mich dazu. Gerade diese kleinen Dinge können unerwartet weh tun.

Gleichzeitig muss nicht jeder Moment schwer sein. Ich kann an Lotte denken und traurig sein und im nächsten Moment über etwas lachen, das sie gemacht hat, beides hat für mich seinen Platz. Das gehört zu Verlusten dazu. Das gilt nicht nur beim Tod eines geliebten Tieres oder Menschen, auch eine Trennung löst Trauer aus. Wir verlieren einen Menschen, eine Beziehung und vieles von dem, was damit verbunden war.

Trauer braucht Zeit und sie lässt sich nicht erzwingen oder beschleunigen. Sie darf da sein, auch wenn das Leben um uns herum weitergeht.

Lotte fehlt mir und ich darf traurig darüber sein…

 

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