Trauma Bonding verstehen

Hält Dich die Sehnsucht nach den schönen Momenten immer wieder fest?

In meiner Praxis begegne ich immer wieder Menschen, die in Beziehungen bleiben, obwohl sie ihnen nicht guttun. Sie erzählen mir von Nähe, Wärme und liebevollen Momenten und gleichzeitig von Abwertung, Rückzug und Schmerz. Dieses Hin und Her macht sie unsicher, erschöpft und innerlich zerrissen. Genau hier zeigt sich das, was man Trauma Bonding nennt.

Was bedeutet Trauma Bonding?

Trauma Bonding beschreibt eine tiefe emotionale Bindung, die nicht auf echter Sicherheit oder verlässlicher Liebe entsteht, sondern durch ständige Wechsel zwischen Zuwendung und Zurückweisung.

Dein Nervensystem lernt, sich an die kurzen Augenblicke der Nähe zu klammern, selbst wenn dazwischen viele verletzende Erfahrungen liegen. Diese wenigen „hellen Momente“ fühlen sich so kostbar an, dass sie den Schmerz für eine Weile überlagern. Doch genau das hält Dich in der Beziehung fest.

Ein Beispiel aus meinem Praxisalltag

Eine Klientin, nennen wir sie mal Anna, erzählte mir von ihrer Beziehung. Am Anfang fühlte sie sich gesehen wie noch nie. Sie bekam Aufmerksamkeit, Wertschätzung, Komplimente. Doch mit der Zeit veränderte sich die Stimmung. Es kamen Vorwürfe, Schweigen, abwertende Bemerkungen. Anna fühlte sich klein und verunsichert.

Immer dann, wenn sie innerlich schon kurz davor war, sich zu distanzieren, kam wieder ein liebevolles Wort, eine zärtliche Geste, ein kurzer Moment von Nähe. In diesen Momenten schöpfte Anna wieder Hoffnung und genau das hielt sie in der Beziehung.

So entsteht ein Kreislauf, in dem Schmerz und Hoffnung eng miteinander verwoben sind. Für die Betroffenen fühlt sich das verwirrend und widersprüchlich an.

Warum es so schwer ist, zu gehen

Viele Menschen stellen sich die Frage: „Warum gehe ich nicht?“ Von außen betrachtet scheint es leicht, doch in Dir sieht es anders aus, da ist die Erinnerung an die schönen Augenblicke, die Sehnsucht nach Geborgenheit und die Hoffnung, dass es wieder so wird wie am Anfang.

Oft kommen Gedanken wie:

  • „Wenn ich mich mehr anstrenge, wird es besser.“
  • „So schlimm ist es doch nicht, ich übertreibe nur.“
  • „Er oder sie braucht mich, ich darf nicht weggehen.“

Diese Gedanken sind Teil des Musters, das Dich bindet, auch wenn es Dir wehtut.

Was jetzt wichtig ist

Wenn Du Dich in Annas Erleben wiedererkennst, so darfst Du wissen: Mehr Menschen, als Du denkst, kennen genau dieses innere Hin- und Hergerissen sein. Das Bedürfnis nach Nähe und gleichzeitig der Schmerz, der damit verbunden ist.

Es kann sehr entlastend sein, erst einmal zu verstehen, was in Dir passiert. Dieses Verstehen ist wie ein sanftes Aufwachen, plötzlich beginnt etwas Sinn zu ergeben. Und aus diesem Bewusstsein heraus können ganz neue Wege entstehen, die Dich Schritt für Schritt zurück in die Verbundenheit mit Dir selbst führen.

In meiner Praxis begleite ich Menschen genau in solchen Prozessen. Wenn Du spürst, dass Dich dieses Thema berührt, lade ich Dich herzlich zu einem kostenfreien Erstgespräch ein.